Zeitreise durch Wien Rudolfsheim-Fünfhaus

Zeitreise durch Wien Rudolfsheim-Fünfhaus

Miniserie zur Geschichte von Wien Rudolfsheim-Fünfhaus

Transkript

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00:00:00: Fünf Dörfer bei Wien, unendliche Weiten. Wir schreiben das 21. Jahrhundert.

00:00:07: Dies sind die abenteuerlichen Erkenntnisse des Bezirksmuseums Rudolfsheim-Fünfhaus, das mit seiner 20 Personen starken Besatzung seit 1972 unterwegs ist, um vergangene Ereignisse zu erforschen, das Leben unserer Vorfahren zu ergründen und einen Beitrag zu Gegenwart und Zukunft der Stadt zu leisten. Mitten im 15., bringt das Museum Erkenntnisse ans Licht, die Sie so vielleicht noch nie zuvor gehört haben

00:00:20: Musik

00:01:08: Hallo und herzlich willkommen bei Fünfzehn Minuten über den Fünfzehnten - spezial. Mein Name ist Brigitte Neichl. Schön, dass sie eingeschaltet haben und bei dieser Episode dabei sind.

00:01:20: Dieser Podcast wird Ihnen präsentiert vom Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus.

00:01:26: Dem Veranstaltungs-Museum im Herzen des 15. Bezirks.

00:01:31: Das Museum bietet Ausstellungen, Veranstaltungen und Events für Erwachsene und Kinder und diesen Podcast.

00:01:39: Mehr dazu finden Sie auf www.museum15.at

00:01:44: Sie hören die zweite Folge unserer fünfteiligen Mini-Serie "Zeitreise durch Wien Rudolfsheim-Fünfhaus".

00:01:53: Wir bewegen uns bei dieser Reise zwischen Ende des 12. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts.

00:02:01: Die Intro- und Outro-Musik wurde speziell für uns komponiert und zwar von Nigora Makhmudova.

00:02:08: Sound producer war Ivan Kit. Die abenteuerliche Stimme gehört Maurizio Giorgi.

00:02:16: Alle Fans der Fernsehserie "Raumschiff Enterprise" werden die durchaus beabsichtigen Parallelen erkennen.

00:02:24: Ein Transkript der vorigen, dieser und auf der folgenden Episoden können Sie auf unserem Blog WIENfünfzehn nachlesen.

00:02:32: Den Link und weitere Infos finden Sie ebenfalls in den Shownotes.

00:02:38: Wieder bei mir ist Dr. Waltraud Zuleger, Bezirkshistorikerin und Mitarbeiterin des Bezirksmuseums.

00:02:45: Sie gestaltet diese Miniserie gemeinsam mit mir. Hallo Waltraud! Schön, dass Du mich wieder unterstützt. Sehr gerne!

00:02:53: In der zweiten Einheit geht es um einen der ersten Meilensteine auf dem Weg zu den Vororten, die später den 15. Bezirk bilden sollten.

00:03:03: In welchem Zeitraum befinden wir uns in dieser Folge, Waltraud? Ja, diesmal befinden wir uns in den letzten Regierungsjahren von Kaiser Josef II.

00:03:12: Das ist also die 1780er Jahre des 18. Jahrhunderts. Magst Du für unsere Hörerinnen und Hörer kurz den Inhalt der ersten Folge zusammenfassen, bevor wir in der Geschichte weiterschreiten? Sehr gerne.

00:03:26: In der ersten Folge ging es um die verschwundene Siedlung Meinhardisdorf, die sich im Mittelalter auf dem Areal des heutigen 15. Bezirks befunden hat,

00:03:34: und die dunklen Jahre des 15. Bezirks. Der Titel der heutigen Folge lautet "Der Kampf um die Reindorfkirche".

00:03:42: Wo befindet sich diese Kirche denn? Ja, wo befindet sich diese Kirche? Die Frage ist natürlich rhetorisch, denn anderes als Meinhardisdorf ist die Reindorfkirche nie verschwunden.

00:03:53: Die Reindorfkirche ist bis heute präsent und kann inzwischen als ältestes Bauwerk des 15. Bezirks gelten, das sich bis heute erhalten hat.

00:04:01: Sie ist auf einem kleinen namenlosen Platz, den die Reindorfgasse und die Oelweingasse bilden - im Areal zwischen Mariahilferstraße und Sechshauserstraße.

00:04:10: Vielleicht kennen Sie ja das Gasthaus Quell, das in der Nähe ist. Das Gebiet wird ja auch heute auch als Brödlland bezeichnet, scherzhaft. Aso, das wusste ich gar nicht.

00:04:21: Müssen wir dann noch erklären: Günter Brödl

00:04:24: war der Textdichter der Lieder von Ostbahn-Kurti (=Willi Resetarits) und der hat im 15. Bezirk in der Reindorfgasse gewohnt.

00:04:32: Und außerdem hatten sie beide den Quell als Stammlokal und erst zum Kultbeisl gemacht - aber das ist eine andere Geschichte. Die Reindorfkirche wurde 1789 fertig gestellt.

00:04:42: Der erste Teil hat ja um 1683 geendet. Was tat sich in den knapp 100 Jahren danach?

00:04:49: Wissen wir da etwas darüber? Welche Quellen haben wir dazu?

00:04:53: Fakt ist, auf dem Areal des 15. Bezirks bildeten sich damals fünf Siedlungen: Rustendorf, Reindorf, Sechshaus, Fünfhaus und Dreihaus,

00:05:03: das dann später Braunhirschen hieß. Und die Quellenlage, sie ist zumindest besser als im Mittelalter. Es gibt Urkunden, es gibt die Aufzeichnungen der Grundherrschaften. Spätestens seit der Gründung der Pfarre Reindorf gibt es immerhin ein Pfarrarchiv, also Pfarrmatriken.

00:05:17: Es gibt bereits Landkarten.

00:05:19: Die sind vielleicht ungenau oder nicht konkret auf das Areal des Bezirks ausgerichtet, aber immerhin zeigen sie das ein oder andere Bauwerk, z.b. einen Hinweis auf fünf Häuser, die Fünfhaus den Namen gaben.

00:05:29: Und sehr wichtig war, dass unter Kaiser Josef II. mit der Erfassung der Bauparzellen im heutigen Niederösterreich begonnen wurde, worauf sich ja dann die Katasterpläne entwickelt haben.

00:05:39: Der Weg zum Bau des ersten gemeinsamen Bezirkszentrums der Orte auf dem Gebiet des heutigen 15. Bezirks war nicht ganz einfach.

00:05:47: War es tatsächlich ein Kampf?

00:05:50: Magst Du uns da mehr dazu erzählen? Kampf, na ja den Schädel haben sich die Parteien nicht eingeschlagen und von Toten ist auch nicht die Rede.

00:05:58: Man wird vielleicht eines berücksichtigen müssen: Die Kirchenpolitik von Kaiser Josef II. bedeutete eine Förderung für den Bau der katholischen Pfarrkirchen

00:06:08: oder wenigstens Seelsorge-Stationen und Lokalkaplaneien. Die bisherigen Pfarrsprengel wurden durch diese Schaffung allerdings von neuen Pfarren, Lokalkaplaneinen etc. verkleinert.

00:06:18: Andererseits, der Vorteil war natürlich, ein kleinerer Pfarrsprengel, weniger Leute und die

00:06:24: Betreuung kann besser funktionieren. Josef II. soll außerdem der Ansicht gewesen sein, dass man niemanden zumuten kann, mehr als eine Stunde Wegzeit zu benötigen, wenn man zur Messe geht.

00:06:35: Tja, nun gab es aber auch Gegner dieser Politik. Die bisherigen Pfarren hatten Einkommensverluste - weniger Pfarrgebiet weniger Leute, weniger Abgaben.

00:06:43: Also waren sie natürlich nicht sonderlich daran interessiert, dass da eine neue Pfarrkirche gegründet wird und sie einen Teil ihres Gebietes verlieren.

00:06:51: Und daher gab es bei neuen Pfarrgründungen immer wieder doch Auseinandersetzungen. Ein Beispiel, wo eine Pfarre - Penzing - Erfolg hatte, war Breitensee.

00:06:59: Hier gab es bereits Anfang des 18. Jahrhunderts die Burgkapelle,

00:07:03: die der damalige Grundherr der Bevölkerung zugänglich gemacht hatte. Man könnte also meinen, relativ einfach, dass daraus ein Pfarrkaplanei wurde

00:07:12: oder vielleicht sogar eine Pfarre. Die Pfarre Penzing griff aber energisch ein und konnte sich durchsetzen. Einerseits, indem sie darauf hinwies, dass in Breitensee nicht so viele Leute sind, dass eine eigene Pfarre notwendig ist

00:07:22: oder eine Kaplanei, und außerdem hatte sie den Vorteil, dass in Breitensee mehrere Personen eine Grundobrigkeit hatten und

00:07:29: die waren sich nicht einig. Die Pfarre Penzing ist deswegen interessant, weil sie ja in unserem Bezirk für Rustendorf und Reindorf zuständig war. Allerdings ein Teil von Reindorf gehörte zur Pfarre Gumpendorf und für die übrigen Orte

00:07:41: Braunhirschen, Sechshaus, Fünfhaus - auch für die war die Pfarre Gumpendorf zuständig.

00:07:47: Es ist naheliegend, dass beide Pfarren nun versuchten, die Gründung einer Pfarre Reindorf zu verhindern. Wir wissen am 20. Juli 1783 wurde

00:07:55: entschieden: Die Dörfer Braunhirschen, Fünfhaus, Sechshaus, Reindorf und Rustendorf erhalten eine eigene Pfarre. Daraufhin haben die beiden Pfarren Penzing und Gumpendorf erstmal einen Einspruch erhoben,

00:08:05: Das Ganze musste nochmal geprüft werden, die Entscheidung musste noch mal getroffen werden. Im Wesentlichen haben vor allem die Gumpendorfer die Finanzierung ins Spiel gebracht, aber am Ende wurde entschieden: Die Pfarre wird gegründet.

00:08:19: Pech für die beiden anderen Pfarren. Na ja, die Gründung der Reindorf-Pfarre war die letzte Pfarre, die Kaiser Josef II. noch selbst

00:08:26: bestätigte. Die Legende hat dann seine Rolle bei der Pfarrgründung sogar ausgeschmückt. Er soll den Standort ausgewählt haben.

00:08:33: In Wirklichkeit dürfte dieser Standort vor allem davon abhängig gewesen sein, er befand sich damals direkt in etwas wie der Ortsmitte.

00:08:41: Also einer Schnittstelle, die im Zentrum alle Orte lag und daher natürlich die ideale Lage für ein Pfarrzentrum hatte, das sie auch ein Dörfer-Zentrum war. Dazu kam, dass es sich um einen einem Weingarten handelte, offensichtlich ein Grundstück, das nicht verbaut war. Und

00:08:55: man hatte auch den Vorteil: Der Besitzer war offensichtlich bereit, es zu verkaufen.

00:08:59: Ja, die gemeinsame Pfarre, zu der übrigens auch eine Pfarrschule gehörte, war dann ein verbindendes Element für die Dörfer, es fördert ihren Zusammenhalt. Damit

00:09:09: kann man von einer gemeinsamen Politik sprechen, die allmählich begann. Diese Pfarrschule, die Du da erwähnt hast, das ist doch auch die erste Schule

00:09:16: auf dem Gebiet des 15. Bezirks. Ja, die erste Schule auf dem Gebiet des 15. Bezirk. Sie wurde im 19. Jahrhundert dann aufgegeben und heute befindet sich hier der Quell,

00:09:25: der Nachfolger,

00:09:27: des früheren Kirchenwirts Mondl - eine eigene Geschichte. Die Reindorfkirche hat einige interessante Kunstschätze zu bieten.

00:09:36: Was kann man denn da auch heute noch bewundern? Nun, der gute Kaiser Josef II. hat  zahlreiche Klöster aufgehoben.

00:09:44: Deren Vermögen und Besitzgegenstände allerdings

00:09:47: machte er zu Geld oder er behielt sie und errichtete damit einen Fonds ein, den Religionsfonds. Mit diesem wurden dann seine Pfarrgründungen finanziert.

00:09:55: Die Entscheidung, dass der Bau der Reindorfkirche mit dem Religonsfonds finanziert wurde, traf der Kaiser ja noch selbst.

00:10:02: Im 19. Jahrhundert wurde der Fonds dann vom Erzbischof von Wien verwaltet,

00:10:06: und der entschied, ob Kirchen damit gefördert werden. Das bedeutete für die Reindorfkirche insofern einen Glücksfall, als sie so zu einigen prestigeträchtigen Kunstwerken kam. diese stammten aus aufgelösten Klöstern und Kirchen,

00:10:18: sie waren also bereits gebraucht. Heute würde man dazu secondhand sagen, wahrscheinlich auch ein bisschen abschätzig dreinschauen - secondhand-Einrichtung.

00:10:27: Aber für die Reindorfkirche bedeutet es, dass sie eben ein paar namhafte Kunstwerke erhielt. Da haben wir den Hochaltar.

00:10:32: Das Bild der Heiligen Dreifaltigkeit stammt von niemand Geringeren als Franz Anton Maulbertsch,

00:10:37: Sohn eines bedeutenden Malers, er gillt neben Martin Johann Schmidt (Kremser Schmidt) als der herausragende Maler des österreichischen Spätbarock. Ja die Bilder das beiden Seitenaltäre dürften älter sein: Predigt des heiligen Antonius, Flucht nach Ägypten.

00:10:51: Der Maler ist Martino Altomonte,

00:10:53: einer der bedeutendsten Barockmaler, 17. Jahrhundert. Ja ein interessanter Kontrast zu diesen barocken Gemälden sind die modernen Heiligenbilder,

00:11:02: Ende des 20. Jahrhunderts entstanden.

00:11:04: Die Malerin Inge Opitz ist ja erst 2007 verstorben. Beide zeigen neuere Heilige, also eben der heilige Antonius von Padua oder Portugal oder Lissabon,

00:11:14: den ja Wilhelm Busch unsterblich gemacht hat, ist ein alter Heiliger, der bereits in die Zeit des Mittelalters zählt.

00:11:19: Und hier haben wir die Bilder der Opitz, eines zeigt Klemens Maria Hofbauer, Apostel von Wien, bedeutender Volksmissionionar, um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert

00:11:29: und mit dem berüchtigten Redemptoristenorden verbunden. Ein weiteres Bild zeigt Pater Anton Maria Schwartz Lehrlingspater,

00:11:37: Arbeiterapostel, Gründer des Kalasantinerordens. Das ist der einzige Orden, der je in Wien bzw. in einem Teil des späteren Wiens, eben Fünfhaus gegründet wurde.

00:11:48: Und Pater Anton Schwartz ist er für den Bezirk eine sehr wichtige Persönlichkeit gewesen und,

00:11:52: was man vielleicht nicht übersehen darf, seit seiner Seligsprechung ist er im Bezirk omnipräsent sozusagen. Keine Kirche, wo nicht sein Bild ist. Ja die Seligsprechung nahm der Papst vor, Johannes Paul II. und 

00:12:04: der wurde ja im Zusammenhang mit einem politischen Programm 2014 zusammen mit anderen Päpsten auch gleich heilig gesprochen. Und das hatte dann zur Folge, dass man in der Reindorfkirche die Opitz-Bildserie ergänzte.

00:12:16: Inge Opitz war ja bereits verstorben, aber nun wurde ein weiteres Heiligenbild in Auftrag gegeben, das den Papst Johannes Paul II. darstellt, und in

00:12:23: dem immerhin der Stil von Inge Opitz imitiert wurde.

00:12:27: Das bedeutet, zurzeit hat diese Kirche ein Heiligen-Trio. Für eine Pfarrkirche, die der heiligen Dreifaltigkeit geweiht ist, recht passend. Wir sind nun am Ende des zweiten Teils unserer Miniserie angelangt. Vielen Dank, liebe Waltraud,

00:12:41: dass Du uns am spannenden Entstehungsprozess des 15. Bezirks teilhaben lässt!

00:12:46: Gern geschehen! Ja, liebe Hörerinnen und Hörer, Rudolfsheim-Fünfhaus hat viel zu bieten! Mach wir was draus- gemeinsam!

00:12:55: Wenn Sie Ihr Wissen über die Geschichte des 15. Bezirk erweitern möchten. Wenn Sie kulturelle und gesellschaftspolitische Themen schätzen.

00:13:04: Wenn Sie gespannt auf interessante Menschen und Themen aus Vergangenheit und Gegenwart im 15. Bezirk sind. Dann sind Sie bei uns richtig!

00:13:13: Besuchen Sie unsere Ausstellungen und Veranstaltungen im Museum.

00:13:17: Verfolgen Sie unsere Aktivitäten auf unserer Webseite, unserem Blog, unserem YouTube-Kanal und auf Facebook Instagram und Co. Infos und Links finden Sie in den Shownotes.

00:13:26: Wir sind auch gespannt auf Ihre Kommentare und Anregungen.

00:13:34: Wenn Sie wissen möchten, wie es mit der Geschichte des 15. Bezirk weitergeht, versäumen Sie nicht Teil 3

00:13:42: "Ein Attentat auf Napoleon". Ich verabschiede mich mit den sphärischen Klängen von Nigora Makhmudova.

00:13:50: Auf Wiederhören! Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Tag! Ihre Brigitte Neichl Outro